Babesiose

eine Gefahr für Hunde und Katzen auch in unserer Region:

Die Babesiose ist eine Bluterkrankung (ähnlich der Malaria), die durch Einzeller (Babesia canis oder felis) verursacht wird. Diese Einzeller werden von Zecken beim Biss übertragen, und zwar hauptsächlich von der so genannten Buntzecke (Dermacentor reticulatus). Diese Zeckenart kommt hauptsächlich in den Mittelmeerländern und Ungarn vor, hat sich aber mittlerweile durch Tourismus und Import von Hunden auch in Frankreich, der Schweiz und auch Deutschland verbreitet.

Die erwachsene Zecke begibt sich hauptsächlich im Spätwinter / Frühling und Oktober / November auf Nahrungssuche und hält sich vorwiegend in Feuchtgebieten (in der Nähe eines Weihers oder Bachlaufes etc.) auf. “Jungzecken“ sind hauptsächlich im Juli / August aktiv.

Von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung können 10 Tage bis 3 Wochen vergehen. Die Babesien dringen in die roten Blutkörperchen ein, vermehren sich und zerstören die Blutzellen. Zudem kommt es zu immunologischen Reaktionen des Organismus auf die Babesien und die Zerfallsprodukte der Blutkörperchen, die zu weiteren Schäden führen. Die Infektion kann verschiedene Verläufe nehmen, die sich durch unterschiedliche Schweregrade und Art der Symptome unterscheiden.

Die so genannte perakute Verlaufsform tritt vor allem bei jungen, alten und geschwächten (kranken) Tieren auf, z.B. auch bei solchen die zusätzlich mit anderen Parasiten (Leishmanien, Ehrlichien) infiziert sind. Häufig liegt gemeinsam mit der Babesiose eine Infektion mit Ehrlichien, also eine Ehrlichiose vor (auch Ehrlichien werden von Zecken übertragen). Diese Tiere sterben sehr schnell an Atem - und Kreislaufschwäche, sowie an inneren Blutungen. Hier kommt tierärztliche Hilfe fast immer zu spät.

Beim akuten Verlauf zeigen sich hauptsächlich Schwäche, Mattigkeit, hohes Fieber bis 42°C, blasse bis gelbliche Schleimhäute und eine Verfärbung des Urins von rot bis grünbraun. Es kommt zum Anschwellen von Leber und Milz, zur Gelbsucht und zum Nierenversagen. Ein sofortiges Einleiten einer speziellen intensivmedizinischen Therapie durch den Tierarzt kann ggf. in Verbindung mit Bluttransfusionen Leben retten, häufig kann aber die Therapie nicht mehr helfen.

Der chronische Verlauf zeigt ein sehr unspezifisches Krankheitsgeschehen. Er ist charakterisiert durch Fieber und Apathie, später kommt es zu Abmagerung und Leberversagen mit Gelbsucht. Seltener sieht man Ödeme in den Gliedmaßen, blutigen Durchfall, Schleimhautblutungen und neurologische Störungen (Lähmungen und epileptische Anfällen).

Wie man sieht, sind die Symptome dieser Erkrankung sehr vielfältig, weshalb es oft für den Tierarzt schwierig ist, sofort die richtige Diagnose zu stellen. Abgesichert wird der Verdacht auf eine Babesiose durch eine Blutuntersuchung mit Erregernachweis und / oder Antikörpertiterbestimmung.

Im Anfangsstadium der akuten, sowie der chronischen Babesiose reicht eine zweimalige Behandlung mit einem speziellen Medikament (das nur im Ausland erhältlich ist und über eine internationale Apotheke bezogen werden muss). Dieses Medikament muss im 2 Wochen Abstand gespritzt werden. Zusätzlich ist eine antibiotische Behandlung sinnvoll. Eine Heilung ist dann sehr wahrscheinlich.

In schweren Fällen, bei denen es schon zu Symptomen wie Blutarmut, Hämoglobinurie (Blut im Urin) und Nierenversagen gekommen ist, sind Bluttransfusionen, und eine intensivmedizinische Behandlung vonnöten, wobei die Prognose trotzdem immer unsicher ist.

Wegen des häufig tödlichen Verlaufs kommt der Prophylaxe bei dieser Erkrankung besondere Bedeutung zu. Die Prophylaxe besteht hauptsächlich aus der weitgehenden Vermeidung von Zeckenbefall durch Spot-on Präparate wie Exspot, Frontline oder ähnliches. Auch eine Impfung gegen Babesien ist möglich (allerdings ist der Impfstoff nur in Frankreich zugelassen, muss über spezielle Apotheken bezogen werden und ist sehr teuer). Sinnvoll ist eine Impfung sicherlich, wenn der Hund längere Zeit in Gebiete mit hohem Infektionsdruck (z.B. Mittelmeerländer, Afrika etc.) verbracht wird, oder wenn man weiß, dass in dem eigenen Auslaufgebiet zu Hause Fälle von Babesiose vorgekommen sind.