Wenn die Pfoten jucken – Erfahrungsbericht zu Pfoten-Ekzemen beim Hund

Mit ca. 4,5 Jahren begann unsere Galgo-Hündin sich von Zeit zu Zeit die Pfoten besonders intensiv zu lecken. Natürlich wird man aufmerksam und so wurden die Pfötchen auch gleich vom Frauli „in Augenschein“ genommen. Siehe da – an der Vorderpfote war eine kleine offene Stelle zu sehen. Beim nächsten Tierarztbesuch war die Stelle wieder weitgehend verheilt und der Tierarzt meint, dass sie sich wohl einfach etwas eingetreten hätte. Wir waren also beruhigt und dachten weiter nicht mehr darüber nach.

Einige Monate danach begann die süße Maus aber wieder mit fleißigem Lecken an der Vorderpfote. Eine kleine, kreisrunde offene Stelle war wieder zu sehen. Beim TA dachte man zuerst wieder an eine Verletzung. Es mag paradox klingen, aber die Stelle sah genauso aus, als wäre sie auf einen glühenden Zigarettenstummel getreten. Also wurde uns eine Salbe mitgegeben (pflanzlich), mit der Empfehlung die Stelle täglich nach dem Spaziergang zu desinfizieren und zu pflegen. So machten wir das also. Und die kleine Wunde heilte langsam aber doch wieder ab.

Ein halbes Jahr später fiel uns auf, dass unsere Maus wieder extrem begann die Vorderpfote zu belecken. Teilweise wurde sie dabei so „fuchsig“ dass sie die Stelle richtig mit den Zähnen malträtierte. In der nächsten Tierklinik sagte man uns dazu: man könne jetzt schon eine Kortison-Salbe anwenden, das würde aber nur kurzfristig helfen und fast alle Hunde hätten eine Stelle an der sie einen „Leckzwang“ ausleben… Eine Futtermittelallergie wurde eher ausgeschlossen da wir ein getreidefreies TroFu füttern.

Bei einer weiteren Praxis wurden uns dann Schüssler Salze-Creme und Söckchen empfohlen. Ebenso dachte man an, dass das Belecken der Füße eventuell auch in der Vergangenheit als „Straßenhund“ begründet sein könnte. Wir haben also wieder brav gecremt, gebadet, desinfiziert, kiloweise Babysocken gekauft und angezogen. Das Ergebnis: die Stelle heilte etwas ab und wir dachten, wenn wir nur lange genug dranbleiben, dann wird das wieder. Angewandte Mittel: Puder, Bäder in Käspappeltee, Birkenrindentee, Johanneskrautöl, Nelkenöl stark verdünnt, usw. – die Hausapotheke wuchs wöchentlich, aber:

Pustekuchen!! Statt einer Besserung stellte sich eine zweite offene Stelle an der Hinterhand ein – diesmal war auch das Krallenbett betroffen. Unsere arme Maus war ständig damit beschäftigt sich die Söckchen an ihren Füßen zu lecken. Teilweise war der Juckreiz so schlimm, dass sie Löcher in die Socken biss. Es folgte diese Untersuchung: großes Blutbild und eine Probe der betroffenen Stellen bzgl. Milben & Co. Das Ergebnis: bakterielle Entzündung – Dermatitis. Nach längerer Beratung erhielten wir wieder ein Pulver zum Austrocknen der Ekzeme und ein spezielles Haut-Antibiotikum. Es hieß: wenn es sich nur um eine hartnäckige Entzündung handle, dann wird das mit dem Antibiotikum erledigt sein. 4 Wochen Antibiotika-Kur brachten eine Besserung. Die Stellen heilten zu. Während dessen erklärte uns ein weiterer Tierarzt, dass bereits viel früher eine Behandlung mit Kortison angebracht gewesen wäre!??? Andere sprachen von der Lösung des Problems durch Amputation der betroffenen Kralle oder auch Pfote!! Uns wurde schon ganz schlecht bei diesen Aussagen. Wir hofften also inständig, dass sich das Problem durch die Antibiotika-Behandlung endlich erledigen würde. Ganz happy waren wir, als die Ekzeme sich schlossen und auch der Juckreiz offensichtlich extrem nachließ.

5 Tage nach Ende der Antibiotika-Kur dann die Ernüchterung: schlimmer den je öffnete sich an beiden Stellen wieder das Ekzem und unsere Hündin war wohl auch selbst schon etwas verzweifelt. Es begann eine „Pfoten-Leckzwang-Session“, wie wir sie zuvor noch nie hatten!! Auch wir waren schon ziemlich am Ende mit unserem Latein und wir machten uns richtig Sorgen. Dann endlich der Vorschlag, dass man sie entweder mit Bachblüten verhaltenstherapeutisch behandeln könne oder eventuell einen Test auf Allergien macht. Wir entschieden uns im Ausschlussverfahren für den Allergietest als nächste Maßnahme. Es wurde ein Bluttest gemacht inkl. Vortests und es begann eine „leckige Sockenwoche“ mit Warten auf die Ergebnisse. Nachdem die Windhunde aus Spanien ja nicht als überzüchtet gelten, waren die Meinungen sehr stark in Richtung „psychisch bedingter Leckzwang“ ausgeprägt. Was mir persönlich völlig absurd vorkam, da sich unsere Maus wirklich ganz prächtig entwickelt hat und immer sehr ausgeglichen und lebensfroh wirkt. Durchaus selbstbewusst meistert sie ihr Leben.

Dann endlich der Anruf aus Tierarztpraxis! Der Allergietest ergab: wir haben einen hoch allergischen Hund! Rind, Schwein, Huhn, Lamm, Lachs, Mais, Reis, Gerste, Pollen, Milben, Kaninchen, Rotwild usw. kaum eine Nahrungsquelle auf die keine Reaktion getestet wurde!! Wir waren erstmal extrem geschockt. Abends hatten wir ein ausführliches Beratungsgespräch beim Tierarzt und es wurden sofort alle Allergene vom Speiseplan genommen. Aktuell wird Wasserbüffel gefüttert und schon nach 12 Stunden hat der Juckreiz extrem abgenommen und unsere Mausi wirkt sehr fröhlich und entspannt. Wir sind sehr, sehr, sehr erleichtert! Endlich wissen wir, wie wir ihr helfen können und wo das Problem genau lag. Parallel zur neuen Ernährung steht noch eine Entgiftung mit Kräutern an, um den Darm wieder zu sanieren.

Unser Fazit: eine Futtermittelallergie muss nicht immer mit schlimmen Magen-Darm-Problemen einhergehen. Ganz im Gegenteil viele Hunde zeigen Hautprobleme oder permanente Ohrenentzündungen. Wir raten allen Windhundhaltern bei Symptomen in dieser Richtung einen Allergie-Test in Erwägung zu ziehen! Man sollte sich wirklich nicht zu sehr von Aussagen wie „wenig überzüchtete Rassen neigen nicht zur Futtermittelallergie“ etc. einlullen lassen. Schon gar nicht sollte man auf Aussagen hören wie „jeder Hund hat 1-2 Leckstellen“. Hinterfragt kritisch und besteht auf eine genaue Ursachenforschung!! Hausmittel können unterstützend helfen. Am Ende muss aber die Ursache für Hautprobleme etc. erforscht werden. Uns haben Mutmaßungen & Co. von vielen Seiten wenig geholfen und ich denke manchmal bei mir: ich hätte vll. schon viel früher auf einen Allergietest bestehen sollen. Jetzt hoffe ich, dass unser Bericht jenen hilft, die eventuell auch einen Windhund mit diesen Beschwerden haben.